Monatsarchiv für April 2009

Leichte Kontrollverluste: Münster, Amp, 25.04.2009

Rami hat überall Freunde, auch in Münster. Während wir auf dem trostlosen Industrie-Gelände neben dem Klub unsere Lidl-Einkäufe geniessen, geht Rami mit seiner Freundin Vicky in der Innenstadt Eis Essen. Und heute Abend übernachten wir bei Maria, einer weiteren Freundin von Rami, die seltsamerweise auf Metal und Gabba-Musik steht.

Lidl-Produkte verursachen leichte Lähmung des Geistes und des Körpers, und so gammeln wir geschlagene 3 Stunden auf dem Parkplatzlatz vor dem Amp rum. Nur Michell entfernt sich mit seiner Gitarre, um ungestört zu üben.  

Irgendwann materialisiert sich Jeremy Warmsley, den wir heute supporten. Jeremy spart Geld auf Tour, indem er auf die Backline der Supportbands zurückgreift. Er und seine Musiker sprechen ein klassisches "british English" und das Steuerrad ihres Fords ist auf der rechten Seite. Sie alle haben Hunger und werden von uns unweigerlich zum Lidl geschickt.

Irgendwann kommt dann Ivo, der den Amp betreibt und macht uns die Tür auf. Im Gegensatz zu dem gestrigen, recht stillarmen Blue Shell, ist Amp ein Kellerklub voller alter Teppiche, alter Sofas und alter Lampen. Die Wände und Säulen sind mit alten Popmagazin-Seiten beklebt. Im Backstage gibt es Stapelweise die Intro aus dem Jahr 2006. Tim und Struppi Comics Comics hängen als Tapete auf dem Klo.

Als wir auf die Bühne gehen, stehen etwa 15 Leute vor uns. Schon im ersten Song knacksen meine Gitarrenkabel, irgendwann beginnt Sebastians Verstärker zu keuchen, ich kann die Setlist nicht lesen, Michell auch nicht, Rami braucht zu lange für sein iPhone (das er als Metronom benutzt) – kurzgesagt, ein technisches Chaos. Diese Pannen bringen uns aus unserem melancholischen Konzept, wir werden sehr locker, lachen, quatschen mit den Leuten. Bei der Zugabe versucht Sebastian die Leute zum mitsingen zu animieren, und Michell filmt das:

 

Danach schnell zum Merchstand, wo sich schon ein Paar Leute tummeln. Wir signieren unsere Poster und plaudern ein bisschen.

Jeremy Warmsley fangt am mit einem Stück, bei dem vierhändig Klavier gespielt wird. Die Stimme erinnert mich etwas an Rufus Wainwright, ja mit etwas weniger "Schwul" und bischen mehr  "Rock’n'roll". Der Drummer prügelt auf das Schlagzeug von Rami ein, der Bassist spielt einen in weiss und mint gehaltenen Bass der Marke Italia. Zwei tage später sind sie im SO36 in Berlin und wir alle stehen schon auf der Gästeliste!

Michell bleibt dann konsequent am Merchstand stehen, im Gegensatz zu manchen Bandkollegen, die erst mal Bier im Backstage vernichten müssen. Vicky – die früher Mal im Amp gearbeitet hat – besorgt phantastische Cocktails (Danke, Vicky!) umsonst. Sie führen zu leichten Kontrollverlusten und es ist sehr schwierig, unser Zeug aufzuräumen und ins Auto zu laden. Nachdem alle unsere "Särge" in den Bus geladen sind, stehen wir schwitzend da und warten auf Blockie. Endlich kommt er mit seiner obligatorischen Beute – Plastiktüten voller Backstagebier – die er in die Lücken zwischen den Trommeln stopft. Oh, er hat irgendwo sein Tasche vergessen und die ganze Band geht sie suchen, weil der Laden mittlerweile rappelvoll ist und Blockie sowieso nicht mehr so wirklich fest auf den Beinen steht.

Der felsenfeste Darius fährt uns direkt durch Münsteraner Nacht zu Maria, bei der wir erschöpft in die Betten fallen.

Nur Michell geht noch auf eine Party im Marias Haus, wo er durch Zufall den Gitarristen von Tomte (der auch gleichzeitig Schlagzeuger von Tocotronic ist) kennenlernt. Am nächsten morgen beeindruckt uns diese Nachricht, seltsam bleibt aber, dass der Name vom Gitarristen / Schlagzeuger weder bei Tomtes, noch bei Tocotronics Besetzung auftaucht, obwohl er auf einem Bandfoto von Tomte indentifiziert wurde. Ramis Recherche ergibt lediglich eine Spur zu einem WDR-Journalisten und ich habe gerade seinen Namen unter einem Artikel aus der Intro 1995 entdeckt. Michell, hast du was rausgefunden?

Show Anti Business: Köln, Blue Shell, 24.04.2009

Nach 6 Studnen Autobahn und einer kleinen Irrfahrt durch Köln beliebt unser Bus vor dem Blue Shell stehen. Schnell ausladen, aufbauen, kurz mit Gigi Homerecording quatschen – wir spielen heute zusammen. Vor dem Auftritt erschütternde Nachricht, die uns beinah den Abend verdirbt – die Blue Shell will von den Bands 250,- haben. D.h. wenn in der Eintrittskasse am Ende weniger Geld ist – müssen wir nachzahlen.

Da läuft einem schon mal kalt den Rücken runter. Wir sind 600km und mehr als einen vollen Tank gefahren für eine Stunde auf der Bühne – und dann noch drauf zaheln?… Das ist einfach bitter. Es gab einen leichten organisatorischen Chaos rund um die Veranstaltung, doch leider ist es in erster Linie unserem Leichtsinn zu verdanken, dass wir im Vorfeld nichts über die Konditionen gewusst haben… 

Nö, weg damit, mit diesem depressiven Gedankengut, das zieht nur runter. Schnell ne Pizza rein und auf die Bühne. So. Es rockt! Und einige sind tatsächlich wirklich wegen uns da, und kennen schon ein Paar Songs! Wow!!! Vor der Bühne stehen Björn und Stephanie von Locas in Love, ich schmettere ihnen meine Santana-Solis entgegen, Michell geht wie immer sehr positiv ab und Rami schmeisst mit Sticks rum und Sebsatian groovt und Daniel schwitzt auf das Klavier. 

Wärend Gigi Homerecording auf der Bühne stehen verkaufe ich ein CD und Rami verkauft noch eine an die Mitbewohnerin vom Homerecording-Drummer. Sie hat uns eigentlich verpasst, wird aber von Rami sanft gezwungen, auf seinem iPod sich die Musik doch anzuhören…

Irgendwann verkündet Frank, der Sänger von Gigi Homerecording, dass die Bands doch nicht drauf zahlen müssen. Hurra – jubelt das Publikum… Hm,eigentlich haben wir draufgezahlt (Benzin von Berlin). Aber wenigstens hatten wir Spass – meint Michell. Die 20,- Euro Gage investieren wir gleich in das Abendessen. 

Wir übernachten bei Sarah von MIAO MIO. Sie wollten eigentlich zusammen mit uns im Blue Shell spielen, aber haben dann irgendwas sehr wichtiges Gewonnen – ein Bandcoaching oder so, waren an dem Tag in einer anderen Stadt und konnten nicht. Dafür aber hat uns MIAO-Keyboarderin Sarah die Schlüssen gelassen. Ich muss dazu sagen: MEIN MIO und MIAO MIO kennen sich nur über Myspace und haben sich nie persönlich getroffen. Es hat also durchaus etwas romantisches, in der Wohnung einer fremden Frau zu übernachten. (Ist auch sehr mutig von Sarah, fünf Vagabunden ihre Schlüssel zu geben… ) In ihrer Wohnung angekommen, freue ich mich sehr über die Bilder von Tori Amos und Björk an den Wänden. Und natürlcih über die extra für uns frisch bezogene Betten! Und über die Dusche! Am nächsten Morgen freue ich mich über die Sonne draussen, die Kaffemaschine in der Küche und das Klavier im Wohnzimmer. Und überhaupt, der Vibe dieser Wohnung tut uns, herben Männern, ganz gut….

Die Sonne hat mittlerweile unseren Bus in eine kleine orangene Sauna verwandelt.

Wir verlassen Sarahs Haus. Next stop: Münster, Amp!

Ein Artikel über den gestrigen Auftritt in der Panorama Bar, Brandenburg

Hübsches Bild, wa….
Hier der ganze Artikel

Kurz und Bündig: Lido, 17.04.09

Aufgeregt: zum ersten Mal eine Dusche im Backstage! Sogar mit Handtüchern – wozu denn das?.. Und Brötchen mit Weichkäsebällchen und Weintrauben…. Auch zum ersten Mal gibt es Lichttechniker und einen Tonmann extra für Monitore! Zum ersten Mal massiver Stroboskopeinsatz beim Gitarrensolo, so dass ich die Bünde nicht mehr sehe und mich tierisch vergreife. Nimmt aber keiner übel – die 20 Leute vor der Bühne kenne ich alle beim Namen. Schweisstropfen auf dem Gitarrenhals. Im Hintergrund zum ersten Mal unsere "Piratensegel" – der neue MEIN MIO Banner. Etwas rotes fliegt auf die Bühne. Nein, doch kein BH – ein vergessener Gitarrengurt für Michell. Dann will jemand ein Kind von Rami (wir sollen sein Mojo am Merchstand verkaufen!) Dann ist fast schon Schluss und in dem allerpathetischsten, ernsten Moment – am schluss von Frag mich nochmal – kommt von unten Philip, unser Fotograf, und sagt "Bitte lächeln"!

KAMERAMAN / WOMAN wanted für heute Abend!

 Unser Filmteam ist krank, wir suchen DRINGEND jemanden, der heute Abend im Lido filmen wird. Wer hat Lust oder kennt wen?