Rami hat überall Freunde, auch in Münster. Während wir auf dem trostlosen Industrie-Gelände neben dem Klub unsere Lidl-Einkäufe geniessen, geht Rami mit seiner Freundin Vicky in der Innenstadt Eis Essen. Und heute Abend übernachten wir bei Maria, einer weiteren Freundin von Rami, die seltsamerweise auf Metal und Gabba-Musik steht.
Lidl-Produkte verursachen leichte Lähmung des Geistes und des Körpers, und so gammeln wir geschlagene 3 Stunden auf dem Parkplatzlatz vor dem Amp rum. Nur Michell entfernt sich mit seiner Gitarre, um ungestört zu üben.
Irgendwann materialisiert sich Jeremy Warmsley, den wir heute supporten. Jeremy spart Geld auf Tour, indem er auf die Backline der Supportbands zurückgreift. Er und seine Musiker sprechen ein klassisches "british English" und das Steuerrad ihres Fords ist auf der rechten Seite. Sie alle haben Hunger und werden von uns unweigerlich zum Lidl geschickt.
Irgendwann kommt dann Ivo, der den Amp betreibt und macht uns die Tür auf. Im Gegensatz zu dem gestrigen, recht stillarmen Blue Shell, ist Amp ein Kellerklub voller alter Teppiche, alter Sofas und alter Lampen. Die Wände und Säulen sind mit alten Popmagazin-Seiten beklebt. Im Backstage gibt es Stapelweise die Intro aus dem Jahr 2006. Tim und Struppi Comics Comics hängen als Tapete auf dem Klo.
Als wir auf die Bühne gehen, stehen etwa 15 Leute vor uns. Schon im ersten Song knacksen meine Gitarrenkabel, irgendwann beginnt Sebastians Verstärker zu keuchen, ich kann die Setlist nicht lesen, Michell auch nicht, Rami braucht zu lange für sein iPhone (das er als Metronom benutzt) – kurzgesagt, ein technisches Chaos. Diese Pannen bringen uns aus unserem melancholischen Konzept, wir werden sehr locker, lachen, quatschen mit den Leuten. Bei der Zugabe versucht Sebastian die Leute zum mitsingen zu animieren, und Michell filmt das:
Danach schnell zum Merchstand, wo sich schon ein Paar Leute tummeln. Wir signieren unsere Poster und plaudern ein bisschen.
Jeremy Warmsley fangt am mit einem Stück, bei dem vierhändig Klavier gespielt wird. Die Stimme erinnert mich etwas an Rufus Wainwright, ja mit etwas weniger "Schwul" und bischen mehr "Rock’n'roll". Der Drummer prügelt auf das Schlagzeug von Rami ein, der Bassist spielt einen in weiss und mint gehaltenen Bass der Marke Italia. Zwei tage später sind sie im SO36 in Berlin und wir alle stehen schon auf der Gästeliste!
Michell bleibt dann konsequent am Merchstand stehen, im Gegensatz zu manchen Bandkollegen, die erst mal Bier im Backstage vernichten müssen. Vicky – die früher Mal im Amp gearbeitet hat – besorgt phantastische Cocktails (Danke, Vicky!) umsonst. Sie führen zu leichten Kontrollverlusten und es ist sehr schwierig, unser Zeug aufzuräumen und ins Auto zu laden. Nachdem alle unsere "Särge" in den Bus geladen sind, stehen wir schwitzend da und warten auf Blockie. Endlich kommt er mit seiner obligatorischen Beute – Plastiktüten voller Backstagebier – die er in die Lücken zwischen den Trommeln stopft. Oh, er hat irgendwo sein Tasche vergessen und die ganze Band geht sie suchen, weil der Laden mittlerweile rappelvoll ist und Blockie sowieso nicht mehr so wirklich fest auf den Beinen steht.
Der felsenfeste Darius fährt uns direkt durch Münsteraner Nacht zu Maria, bei der wir erschöpft in die Betten fallen.
Nur Michell geht noch auf eine Party im Marias Haus, wo er durch Zufall den Gitarristen von Tomte (der auch gleichzeitig Schlagzeuger von Tocotronic ist) kennenlernt. Am nächsten morgen beeindruckt uns diese Nachricht, seltsam bleibt aber, dass der Name vom Gitarristen / Schlagzeuger weder bei Tomtes, noch bei Tocotronics Besetzung auftaucht, obwohl er auf einem Bandfoto von Tomte indentifiziert wurde. Ramis Recherche ergibt lediglich eine Spur zu einem WDR-Journalisten und ich habe gerade seinen Namen unter einem Artikel aus der Intro 1995 entdeckt. Michell, hast du was rausgefunden?








